Quelle: 123RF


Sehr geehrte Investierende und Freunde/Freundinnen von APUS Capital,

es war im Spätsommer 2007, als einer der (aus damaliger Sicht künftigen) Mauersegler durch San Francisco lief und regelmäßig Passanten traf, die geistesabwesend mit dem rechten Zeigefinger scheinbar auf ihrer linken Hand herumwischten. Ein genauerer Blick ergab, dass es sich um einen dunklen Gegenstand handelte, der an ein Handy erinnerte, aber aufgrund fehlender Klappfunktion (was, wie alle Motorola RAZR Nutzer noch wissen, damals der letzte Schrei war) nichts „Besonderes“ sein konnte. Bei einem Kundentermin später am Tag, ergriff der Mauersegler dann die Gelegenheit: 

„Tell me, what is so special about this phone that everyone seems to be buying these days?”

“Well, I think it receives good reception because it is so much more than a phone. It has a music player, a camera and comes with a nice headset. It’s really cool. I got one too!“

6 Jahre später, gleicher Ort. Während teils sehr langer Taxifahrten fiel dem (immer noch künftigen) Mauersegler auf, dass zwischen den überdimensionierten und teils sehr kantigen Autos verschiedenster Hersteller immer wieder einmal ein sehr windschnittiges, offenbar neues Modell mit noch unbekanntem Logo auftauchte. Bei einem Kundengespräch (anderer Kunde als beim ersten Mal) dann die ähnliche Frage:

“The taxi driver told me that Tesla seems to be trying high end cars in the US. Do you think it’ll work?”

“Well, I did a test drive and I have to say, I loved it. The acceleration is unbelievable, it has an iPad-sized touchscreen and it is able to do over-the-air software updates besides giving real-time congestion data as it connects to Google Maps seamlessly.”

Auch hier war der Mauersegler zunächst skeptisch. Aber die beiden Beispiele zeigen unseres Erachtens drei Dinge: 1) Reisen bildet und öffnet die Augen für neue Entwicklungen, 2) Technologietrends, die die Welt verändern, werden oft in Silicon Valley eingeleitet, 3) und das ist die wichtigste Erkenntnis: Apple und Tesla waren und sind deshalb erfolgreich, weil sie ihr Produkt nicht von der Hardwareseite gedacht haben, sondern softwareseitig und von der Nutzererfahrung her. Womit wir beim Thema unseres Anschreibens in diesem Monat wären: 

Software wird im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor!

Der Erfolg des iPhones und damit die Entstehung des Smartphone Marktes beruht sicher zu einem erheblichen Anteil auf der Tatsache, dass man dank dem nahezu unbegrenten Angebot an Apps eine Art „Schweizer Messer“ in der Hand hält, dass unzählige eigenständige „Hardwarelösungen“ auf Softwarebasis ersetzt. Seien es Fotoapparate, Videokameras, Wecker, Notizbücher, Taschenlampen, Navigationsgeräte, Radios, CD-Spieler, Fernseher, Zeitungen, Fahrkartenautomaten, Diktiergeräte – um nur einige zu nennen. 

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Der verstärkte Einsatz von Software beim Auto bietet neben dem Ersatz traditioneller mechanischer Lösungen – zum Beispiel das individuell anpassbare Armaturenbrett – viele neue Möglichkeiten, die Energieeffizienz, die Sicherheit und den Komfort der Insassen zu verbessern. Ein großer Treiber für den Einsatz von Software im Fahrzeug ist der zunehmende Vormarsch von fahrerunterstützenden Systemen bis hin zum autonomen Fahren. Hier müssen zahlreiche Daten möglichst in Echtzeit ausgewertet und in konkrete Handlungsanweisungen umgesetzt werden. Dies gelingt nur mit entsprechender auf künstlicher Intelligenz beruhender Software. Der Wert der installierten Software in einem Durchschnitts-PKW soll sich daher mit ähnlichen Wachstumsraten wie der Halbleitereinsatz in den kommenden 10 Jahren verdreifachen. Noch wichtiger aber als der reine Wertanteil der Software ist jedoch die Tatsache, dass sie bei der Kaufentscheidung der Kunden eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Ein von der Softwareseite definiertes Fahrzeug, das regelmäßig „over the air“ Updates und Verbesserungen erhält und leichter an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden kann, ist inzwischen für viele Käufer genauso wichtig, wie die bisherigen Entscheidungskriterien Design, PS und Fahreigenschaften. Das Wohlfühlen im Fahrzeug (neudeutsch die „Customer Experience“) wird beim Autokauf zunehmend ein entscheidendes Kriterium. Laut einer Studie der Unternehmensberatung MHP („The Software Race“) finden weltweit 73% der Käufer „Software defined Vehicles“ interessant. Gerade chinesische Fahrzeugbauer haben dies erkannt und setzten neben dem Elektroantrieb primär auf die softwarebasierte Digitalisierung ihrer Fahrzeuge. Softwarekompetenz und der vermehrte Einsatz von Software wird damit zunehmend zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor in der Automobilindustrie.

Der Wandel von hardwarebasierten Geräten zu Softwarelösungen ist auch in völlig anderen Branchen wie zum Beispiel der Musikindustrie zu beobachten. Wo früher bei Musikübertragungen und -aufnahmen alles über große Mischpulte mit zahlreichen Schaltern und Knöpfen ausgesteuert wurde, kommen heute zunehmend digitale Mischpulte zu Einsatz, die rein softwarebasiert über PCs oder Laptops gesteuert werden. Der Tontechniker sitzt gerade bei großen Konzerten nicht mehr an seinem Mischpult, sondern läuft mit einem Tablet über das Konzertgelände, um den Sound für möglichst alle Zuhörer zu optimieren. Der eigentliche Vorteil von digitalen Mixern, neben dem deutlich geringeren Gewicht und Platzbedarf, ist aber das Speichern und Automatisieren von Einstellungen und Abläufen. So können zum Beispiel bei Konzerten mit mehreren Künstlern die Einstellungen aus dem Soundcheck gespeichert und zum Auftritt wieder abgerufen werden. Auch lassen sich bei Aufnahmen die jeweiligen technischen Einstellungen wiederholen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich zudem die Aussteuerung wie auch das spätere Abmischen deutlich beschleunigen. 

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Wie die Beispiele Automobilindustrie und Musikbranche zeigen, geht die Bedeutung von Software inzwischen weit über das klassische IT-Feld (Computer, Smartphones, Maschinensteuerungen) hinaus. Mit der fortschreitenden Digitalisierung all unserer Lebensbereiche nimmt die Bedeutung von Software dramatisch zu. Die immer leistungsfähigere Hardware ist zwar die Basis für den technischen Fortschritt und die Digitalisierung unserer Welt. Den eigentlichen Mehrwert und Nutzen liefert aber die Software. Wie ein immer besseres Straßennetz nur dank der Fahrzeuge, die sie nutzen können, einen Nutzen für die Gesellschaft generieren kann, oder das schnellste Smartphone ohne entsprechende Apps nahezu wertlos ist!

Die Bedeutung der Software beginnt dabei schon im Kleinen. So spielt Software bei der Entwicklung und Funktionalität von Halbleitern eine immer größere Rolle. Nicht umsonst weisen die Unternehmen ARM, Cadence oder Synopsys, die Software für das Halbleiterdesign herstellen, am Aktienmarkt eine extrem hohe Bewertung auf. Auch basiert die führende Marktposition von Nvidia bei AI-Chips nicht nur auf dem überlegenen Chipdesign mit über 5.000 Rechnerkernen, sondern vielmehr auf der unternehmenseigenen Softwarebibliothek für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen namens CUDA (Compute Unified Device Architecture). Mit dieser Software ermöglicht Nvidia seinen Nutzern, die Leistungsfähigkeit seiner GPUs (Graphics Processing Units) voll auszunutzen. Inzwischen arbeiten mehr als 3 Millionen Softwareentwickler mit CUDA, die damit Anwendungen für aktuell 500 Millionen CUDA-fähige GPUs im Markt schreiben können. Dies zeigt, welche Hürde es für den Wettbewerb darstellt, wenn es einem Unternehmen gelingt, mit seiner Software quasi einen Standard zu schaffen. Etwas Ähnliches gelang Microsoft mit Windows oder Intel Ende der 70er Jahre mit der Einführung der x86-Architektur für PCs, die mitentscheidend für die Dominanz des Unternehmens im PC-Prozessoren-Bereich in den folgenden 30 Jahren war. Die Bedeutung von Software nimmt aber auch bei deutlich weniger anspruchsvollen Halbleitern wie Prozessoren oder Graphikchips dramatisch zu: So hat der deutsche Hersteller von Automobilhalbleitern Elmos die Anzahl seiner Softwareentwickler innerhalb weniger Jahre von einem Dutzend auf über 100 (knapp 10% der Belegschaft) erhöht. 

Der Trend, dass Software bei immer mehr Anwendungen und Produkten an Bedeutung gewinnt, beschleunigt sich nochmals durch die enormen Möglichkeiten, welche generative AI-Lösungen wie ChatGPT eröffnen. Und dies von zwei Seiten: 

Zum einen ermöglicht generative AI zahlreiche auf sprachbasierter Kommunikation basierende Applikationen, die in dieser Form früher nicht möglich waren. Sei es, um kreative Leistungen wie Texte, Bilder oder Videos zu erstellen oder – noch wichtiger – für die Echtzeit-Auswertungen von Daten. In Zukunft wird es zahlreiche KI-Modelle für spezielle Problemstellungen geben, die ausschließlich mit den für diese Anwendungen relevanten Daten gefüttert werden – zum Beispiel alle Informationen, die für die Produktionssteuerung eines Unternehmens relevant sind. 

Was den Softwareeinsatz darüber hinaus deutlich antreiben wird, ist die Möglichkeit, über generative AI einfach neue Software zu generieren. Mit sprachgebundenen Vorgaben lässt sich so neuer Softwarecode erzeugen – ohne Kenntnisse in einer Programmiersprache. Noch nie war es so einfach, neue Software zu erzeugen. Damit werden sich die Entwicklungszeiten für neue Softwarelösungen deutlich verkürzen. Aufgrund dieser Vorteile, aber auch, um gegenüber dem Wettbewerb nicht technologisch zurückzufallen, planen viele Unternehmen den Einsatz von generativer AI bei der Softwareentwicklung:

Quelle: Capgemini Research Institut



Quelle: Capgemini Research Institut



Wie wichtig Software für den zukünftigen Erfolg vieler Unternehmen sein wird, ist den Managern großer Gesellschaften inzwischen bewusst. Die Vorteile, die sich aus dem verstärkten Einsatz von Software ergeben, erstrecken sich dabei über alle Felder, die für den Unternehmenserfolg von Bedeutung sind, wie Wachstum, Innovationskraft, Wettbewerbsvorteile, Kosten und Kundenzufriedenheit:

Quelle: Capgemini Research Institut



Laut einer Umfrage des Capgemini Research Institutes unter 1.500 Unternehmen mit mehr als 1 Mrd. Umsatz haben oder planen 1.350 von ihnen eine Strategie, um ein „softwaredefiniertes Unternehmen“ zu werden. 52% erwarten hierbei, dass ihr Unternehmen in spätestens 3 bis 5 Jahren primär ein Softwareunternehmen sein wird. Entsprechend konzentrieren viele Firmen ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten verstärkt auf den Softwarebereich und stellen neue Entwickler – falls am Markt verfügbar – ein.

Dabei erwartet man, dass sich der Anteil der reinen Softwareumsätze am Gesamtumsatz in 8 Jahren von 7% auf 29% mehr als vervierfachen wird, wobei die knapp 30% im Jahr 2030 noch nicht den Endwert darstellen dürften.

Quelle: Capgemini Research Institut



Auf die einzelnen Branchen bezogen, ergab sich dabei mit Blick auf die Entwicklung zum softwaredefinierten Unternehmen folgendes Bild:

Quelle: Capgemini Research Institut



Nicht besonders überraschend ist (nach dem in der Einleitung Gesagten), dass sich neben Banken insbesondere Automobilhersteller in Zukunft als Softwareunternehmen sehen.

Die Umfrageergebnisse zeigen, wie stark sich unsere Welt durch die Digitalisierung in den kommenden Jahren verändern wird. Die zunehmende Bedeutung von Software und digitalen Produkten wird zahlreiche Branchen dramatisch verändern. Neue Wettbewerbsfaktoren werden einen entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben. Die Geschwindigkeit der Veränderungen wird dabei auch aufgrund des Einsatzes künstlicher Intelligenz ein vorher nie gesehenes Niveau erreichen. Unternehmen, die schnell und agil auf diese Veränderungen reagieren, werden zu den Gewinnern gehören. Wer sich hingegen auf seiner Marktposition und seinen bisherigen Produkten ausruht, läuft Gefahr dramatisch an Bedeutung zu verlieren. 

Quelle: 123RF



Für uns bei APUS Capital sind die sich abzeichnenden technologischen Umbrüche genau das Umfeld, das wir für unseren Investmentansatz brauchen. Das hohe, durch den Vormarsch von Software getriebene Innovationstempo sollte uns in den kommenden Jahren zahlreiche spannende Investitionsmöglichkeiten eröffnen. Hierbei werden wir unserer Strategie treu bleiben, wenn möglich in die Anbieter von Basistechnologie wie Halbleiter zu investieren. Denn diese werden immer zu den Gewinnern gehören, egal welcher ihrer Kunden sich am Ende durchsetzen wird. Generell sehen wir der (digitalen) Zukunft optimistisch entgegen!

Mit besten Grüßen von den Mauerseglern aus Frankfurt!

Dr. Wolfram Eichner, Jürgen Kaup, Stefan Meyer, Johannes Ries, Uwe Schupp, Dr. Roland Seibt und Heinz-Gerd Vinken